Bootstour Friesland
vom 26.05. bis 05.06.2019

Inhaltsverzeichnis

Sonntag, 26.05.2019  -  Hinreise bis Amsterdam

Montag, 27.05.2019  -  Hinreise Amsterdam - Sneek
Bootsübernahme
Abendetappe nach Terherne

Dienstag, 28.05.2019  -  Terherne - Sneek - Heeg
Velotour in der Gegend von Sneek

Mittwoch, 29.05.2019  -  Heeg - Workum - Makkum
Velotour zum Abschlussdeich-Museum und nach Harlingen

Donnerstag, 30.05.2019  -  Makkum - Bolsward - Witmarsum - Arum
Velotour nach Bolsward und auf Umwegen zurück

Freitag, 31.05.2019  -  Arum - Harlingen - Franeker - Ried
Velotour kreuz und quer über Land

Samstag, 01.06.2019  -  Ried - Berlikum - Leeuwarden - Mantgum
Velotour nach Grou und zurück

Sonntag, 02.06.2019  -  Mantgum - Sneek - Terherne - Sneek
Velotour Terherne - Joure - Akkrum - Terherne

Montag, 03.06.2019  -  Abgabe Boot
Rückfahrt von Sneek nach Amsterdam

Dienstag, 04.06.2019  -  Ausflug nach Drenthe

Mittwoch, 05.06.2019  -  Rückreise von Amsterdam


Sonntag, 26.05.2019  -  Hinreise bis Amsterdam

Ab morgen ist eine weitere Bootstour in Friesland angesagt.

Heute fahre ich erst mal bis Amsterdam und mache dort eine Hotel-Übernachtung, bevor ich dann morgen nach Sneek weiterreise.

Die Reise mit dem ICE über Frankfurt am Main ist angenehm. Der Zug von Basel nach Frankfurt ist zwar gut besetzt, aber ich habe einen guten Platz und der Zug verkehrt pünktlich. Der zweite ICE (Frankfurt-Amsterdam) ist nicht einmal halb voll und ich habe habe eine Vierer-Sitz-Gruppe mit Tisch für mich allein.

Im ICE zwischen Frankfurt und Köln

In Köln wendet der Zug. Dann wechsle ich meinen Platz und kann so dem Lokführer über die Schulter schauen.

Ich beneide den Mann da vorne. Er hat den besten Platz im Zug und bekommt erst noch Geld dafür.

Die ganze Reise verläuft problemlos und ich komme pünktlich um 15:28 in der Station Amsterdam Centraal an. Zu meinem Hotel (HOTEL MY HOME) ist es zu Fuss etwa 15 Minuten. Das Hotel ist nicht wirklich MY HOME. Es ist weder gut noch preisgünstig.

Dafür ist das Nachtessen in der Pizzeria LUCCA DUE (gleich daneben) hervorragend. Das Restaurant kenne ich von meinem Sprachaufenthalt im Februar hier in Amsterdam.


Montag, 27.05.2019  -  Hinreise Amsterdam - Sneek
Bootsübernahme
Abendetappe nach Terherne

Heute fahre ich mit der Bahn von Amsterdam über Amersfoort und Zwolle nach Heerenveen und dann von dort noch mit dem Bus nach Sneek. Gut, bin ich heute und nicht erst morgen unterwegs, denn die Bähnler streiken morgen landesweit. Ihr aktuelles Pensionsalter ist 66 Jahre und das soll jetzt heraufgesetzt werden. Verständlich, dass die keine Freude an diesem Unterfangen haben.

Mein Zug nach Amersfoort besteht aus zwei Teilen. Diese sind hier zusammengekuppelt.

Der oben abgebildete Zug ist nach meiner Meinung der hässlichste Zug der Welt. In diesesem Wikipedia-Artikel NS-Baureihe ICM sieht man Bilder des Zuges in seiner vollen Hässlichkeit.

Gemäss dem genannten Wikipedia-Artikel, auf den mich Christoph hingewiesen hat, gab es hier mal Übergänge zwischen den einzelnen Zugsteilen, sodass Zugspersonal und Passagiere währen der Fahrt von einem in den anderen Zugsteil wechseln konnten. Man sieht dort auch noch Bilder der Übergänge. Diese Züge wurden wegen der Übergänge durch den Kopf "Koploper" genannt. Die Übergänge wurden in den Jahren 2006 bis 2011 wegen Störungsanfälligkeit entfernt und an deren Stelle wurde eine Kunststoffplatte eingebaut. Der Lokführer sitzt übrigens ganz oben in einer Panorama-Kanzel.

Beim Umsteigen in Zwolle sehe ich diese Tafel. Der Hinweis rechts (Zuidzijde) deutet weder auf Exit noch auf Dignitas hin, sondern bedeutet einfach "Südseite".

Etwa um 14:00 bin ich bei der Bootsvermietung Yachtcharter Sneek. Hier miete ich nun bereits zum dritten Mal ein Boot.

Mein Boot, die Sietske, habe ich vor einem halben Jahr sorgfältig auf Grund der Spezifikationen und der Bilder aus der Website ausgewählt.

Länge: 9.00 m
Breite: 3.25 m
Tiefgang: 0.9 m
Durchfahrtshöhe: 2.40 m

Die Sietske im Hafen von Yachtcharter Sneek

Salon und Küche

Salon mit Ess- und Schreibtisch vom Eingang bei der offenen Plicht

Die Küche

Blick aus dem Salon auf die offene Plicht mit dem zweiten Steuerstand

Der Hauptsteuerstand im Salon

Das Schlafzimmer

Blick auf Salon, Küche und offene Plicht aus dem Schlafzimmer

Die Küche

Ich kann das Boot zwar sofort betreten und mich einrichten. Danach muss ich aber über zwei Stunden auf die technische Einweisung warten. Das ist gut so, denn so bin ich diesmal fertig eingerichtet, wenn Piter (der Geschäftsleiter) kommt und mir das Boot erklärt. Andere Male habe ich noch ein paar Tage aus dem Koffer gelebt, weil ich keine Zeit zum Auspacken hatte.

Ich fahre über das Sneeker Meer nach Terherne und es reicht gerade noch vor 18:00 das dort reservierte E-Bike abzuholen.

Die Sietske im Hafen von Terherne

Das gemietete E-Bike und dahinter die Sietske im Hafen von Terherne

Ich bin mit dem Boot äusserst zufrieden. Es ist in hervorragendem Zustand und praktisch eingerichtet. Besonders gut gefällt mir, dass Küche und Salon zusammen im gleichen Raum sind und dass im Salon ein fest montierter, stabiler Tisch steht.

Über das E-Bike kann ich noch nicht viel sagen. Ich bin erst etwa 500 m damit gefahren mit einer schweren Tasche in der linken Hand und damit keine Hand frei, um die Fahrstufen auszuprobieren. Jedenfalls ist die Miete günstig (EUR 87.00 ab heute abend und die kommenden 6 Tage).

Entgegen der Prognose ist das Wetter recht gut, aber es ist kühl und windig. Jetzt ist es 21:30 und die Sonne scheint immer noch. Dunkel wird es erst gegen 23:00. Jetzt geniesse ich den schönen Abend im Hafen von Terherne.


Dienstag, 28.05.2019  -  Terherne - Sneek - Heeg
Velotour in der Gegend von Sneek

Ich fahre in Terherne früh los und alles wieder zurück über das Sneeker Meer nach Sneek. Vor der Oppenhuizer Brug muss ich noch etwas warten, weil die Brücke erst ab 09:00 bedient wird.

Vor der Oppenhuizuer Brug begegne ich der Breva (auch von Yachtcharter Sneek). Das ist das Boot, das ich Ende August zusammen mit einem Kollegen für eine Wochen haben werde.

Mitten in der Stadt kann ich in unmittelbarer Nähe eines Poiesz (das ist ein Supermarkt) parkieren. Zum Einkaufen gehe ich zu Fuss. Es ist so nahe, dass es sich nicht einmal lohnt, das E-Bike abzuladen.

Die meisten Windmühlen, die man hier sieht, stehen still. Diese hier dreht noch flott. Ich denke aber nicht, dass damit wirklich etwas angetrieben wird.

Anschliessend fahre ich über IJlst nach Heeg. Dort parkiere ich im Jachthaven Eendracht gleich für die Übernachtung. Es ist zwar erst 13:00, aber ich will heute noch das E-Bike ausprobieren.

Das gemietete E-Bike "BIKKEL" ist eigenlich ein Oma-Fiets mit Vorderrad-Nabenmotor und einem 365 Wh Akku unter dem Gepäckträger, den man mit einem Handgriff zum Laden herausziehen kann. Die Steuerung ist ganz einfach. Man beeinflusst sie mit dem Steuergerät am Lenker.

Das Steuergerät am Lenker ist extrem einfach gehalten.

Es gibt vier Tasten: Plus, Minus, S für das Umschalten der Anzeige und Ein/Aus. S wird gebraucht, um zwischen Gesamt-km und Tages-km-Zähler umzuschalten. Plus und Minus werden gebraucht, um die Geschwindigkeit zu variieren. Richtig gelesen: Hier wählt man nicht die Unterstützungs-Stufe wie bei den mir bekannten Mittelmotor-Antrieben Bosch und Panasonic, sondern man gibt eine Geschwindigkeit im Bereich von ca. 7 bis 28 km/h in Schritten von ca. 1.5 km/h vor. Die unteren Bälkchen in der Anzeige zeigen die eingestellte Gewschwindigkeitsstufe an.

Der Antrieb funktioniert nur, wenn man mindestens etwa mit Schrittgeschwindigkeit fährt und nur wenn man die Pedalen dreht. Das Drehmoment, das man auf die Pedalen ausführt, spielt überhaupt keine Rolle (es wird vom Antrieb auch nicht gemessen). Auch wenn man nur ganz leicht (ohne Kraft) an den Pedalen dreht, schaltet der Antrieb ein und versucht mit viel Kraft, die vorgewählte Geschwindigkeit zu erreichen (und zu halten). Wenn man aufhört zu treten, schaltet der Antrieb mit einer Verzögerung von ca. 1.5 s ab. Wenn man stark tritt, kommt die damit selbsterbrachte Leistung über das Hinterrad dazu und man erreicht damit, dass der Antrieb Strom sparen kann oder (wenn es bergauf geht) dass die vorgegebene Geschwindigkeit überhaupt erreicht werden kann.

Der Antrieb ist kräftiger als man es beim Anblick des recht kleinen Nabenmotörchens vermuten würde und die Reichweite scheint recht gut zu sein.

Der Unterschied zwischen den mir bekannten Antrieben (Mittelmotor mit Drehmoment-Messung im Tretlager) und diesem Vorderrad-Antrieb beim BIKKEL-Bike auf einen Punkt gebracht:

Beim ersteren fährt man Velo und lässt sich vom Antrieb mehr oder weniger stark helfen.

Beim zweiten lässt man den Antrieb velofahren und hilft ihm dabei mehr oder weniger stark durch treten.

Fazit: Ich ziehe die erste Sorte Antrieb vor. Allerdings geht es mit dem BIKKEL-Antrieb auch recht gut. Unangenehm finde ich das Fehlen jeglicher Unterstützung beim Anfahren. Nachteilig wäre es auch, wenn man zusammen mit anderen Leuten im "Verbund" fährt und seine Geschwindigkeit ganz fein anpassen möchte. Aber allein unterwegs hier in Holland, wo Steigungen selten sind, geht es auch ganz gut.

Mit dem E-Bike unterwegs in Heeg

Wieder in Sneek, diesmal mit dem E-Bike. Jetzt muss ich auch mal auf die Boote warten.

An der Bahn-Station IJLST. Heute ist ja Streik-Tag. Da kann ich lange warten, bis ich einem Zug begegne.

In IJlst diesmal mit dem E-Bike. Diese Brücke habe ich heute morgen mit dem Boot passiert.

Ein herrlicher Abend im Hafen von Heeg.

Das Wetter war heute viel schöner als (gemäss Prognose) erwartet. Keine Spur von Regen, meist sonnig, aber kühl (ca. 14°) und windig.


Mittwoch, 29.05.2019  -  Heeg - Workum - Makkum
Velotour zum Abschlussdeich-Museum und nach Harlingen

Abfahrt in Heeg um 07:00. Ich fahre über das Heeger Meer, Workum, Tjerkwerd nach Makkum. Heute ist es etwas wärmer (so um 17°), wenig Wind, nur leicht bewölkt, also sehr angenehm.

Fahrt über das Heeger Meer

Unterwegs am Van Panhuyskanaal

Harlingen - dieses Bootje könnte mir auch noch gut gefallen. Ich glaube das nächste Mal nehme ich dieses.

In Workum, nach der Ankunft um 11:00, mache ich zuerst Brunch. Dann folgt Siesta und am Nachmittag will ich mit dem E-Bike nach Zurich und dort das nordöstliche Ende des Abschlussdeiches, sowie das Abschlussdeich Museum im Wadden Center anschauen. Der Wind hat deutlich zugelegt.

Abschlussdeich Museum im Wadden Center (Bild geklaut von deren Website, vergessen selber ein Foto zu machen)

Das Museum haut mich nicht vom Sockel. Der Wikipedia-Artikel über den Abschlussdeich ist interessanter. Man sieht aber ein paar Bilder, wie es ohne Abschlussdeich aussehen könnte.

So könnte es ohne Abschlussdeich aussehen - ziemlich ungemütlich

Zurich ist am nord-östlichen Ende des Abschlussdeichs. Es ist ein ganz kleines Nest.

Radweg entlang der Waddenzee - So stelle ich mir einen Radweg vor.

Schon bald in Harlingen

Auf dem ganzen Weg von Makkum nach Harlingen habe ich starken Rückenwind. In Harlingen ist der Akku noch etwa 65 % voll.

In Harlingen

In Harlingen

Der Streik ist vorbei. Die Züge fahren wieder. Station Harlingen Haven.

Erst auf dem Rückweg realisiere ich, wie stark der Wind eigentlich ist, weil er jetzt genau von vorne kommt. Die Bälkchen der Ladezustands-Anzeige purzeln mir viel zu schnell weg. Es reicht aber ganz knapp. Zurück beim Boot will ich noch etwas herumfahren, bis der Akku ganz leer ist. Das braucht aber keine 300 m, dann Blinkt die Anzeige und die Fahrunterstützung bleibt aus. Heute hat der Akku für 45 km gereicht.

Mein Liegeplatz für diese Nacht in Makkum.


Donnerstag, 30.05.2019  -  Makkum - Bolsward - Witmarsum - Arum
Velotour nach Bolsward und auf Umwegen zurück

Heute kann ich nicht so früh abfahren. Um Makkum zu verlassen muss man durch bediente Hebebrücken. Bedient sind sie aber erst ab 09:00. Bis Bolsward und noch kurz darüber hinaus muss ich durch mehrere Hebebrücken, die für mich geöffnet werden müssen.

Nach Bolsward geht es in die Witmarsumer Feart. Dieser Kanal führt über Witmarsum und Arum nach Harlingen. Er ist ausgelegt für Boote mir einer Durchfahrtshöhe von höchstens 2.50 m und einer Breite von höchstens 3.90 m. Mein Boot ist 2.40 m hoch und 3.25 m breit. Damit müsste ich zwischen Bootsdach und Brücke noch 10 cm haben. Das sind es auch, aber ohne jegliche Reserve (vielleicht ist der Wasserstand auch etwas höher als normal). Das Schiff darf kaum schaukeln, sonst kratzt es oben auf dem Dach.

Erschwerend kommt hinzu, dass es heute sehr stark windet (meist von links). Aber was solls? Ich habe jedenfalls das Schiff oben und seitlich mit Vaseline eingeschmiert, damit es besser durchrutscht :-)

Bei dem Wind ist es nicht ganz einfach, da untendurch zu fahren ohne anzustossen

Auch hier ist es eine Herausforderung

In Witmarsum mache ich eine längere Pause, um mit dem E-Bike nach Bolsward und auf Umwegen wieder zurück zu fahren. Heute sind es nur 25 Velo-km und dabei brauche ich etwa die Hälfte der Akku-Ladung.

Bolsward - auf der heutigen Velotour

Von Witmarsum bis nach Arum ist es noch eine gute Stunde. Dort lege ich an einem einfachen Anlegeplatz ohne Infrastruktur (z.B. Elektrizität) an um zu übernachten. Dafür kostet es auch nichts.

Einfacher Anlegeplatz in Arum.


Freitag, 31.05.2019  -  Arum - Harlingen - Franeker - Ried
Velotour kreuz und quer über Land

Ich bin immer noch auf dem Kanal zwischen Bolsward und Harlingen, auf dem Boote mit einer Durchfahrtshöhe von bis zu 2.40 m verkehren können. Einmal wird es nach oben so knapp, dass zwischen Boot und Brücke keine 5 cm Luft mehr sind. Der Kanal ist gemütlich und idyllisch. Ich bin hier fast allein unterwegs.

Auch auf dem weiteren Weg bis nach Harlingen geht es bei den meisten Brücken um Millimeter

Bei der Einfahrt nach Harlingen sind zwei Hebebrücken unmittelbar nebeneinander. Um durchzufahren müssen beide offen sein. Die erste ist eine Spoorbrug (Eisenbahnbrücke). Bevor die Brücken für mich geöffnet werden muss ich noch die Durchfahrt von zwei Zügen abwarten.

Einfahrt nach Harlingen - Spoorbrug und Trambrug

Nach der Durchfahrt durch Harlingen münde ich in den Van Hanrinxma-Kanaal. Dieser ist nun genau das Gegenteil vom letzten: Gross und breit, viel Verkehr und die Brücken müssen nur für die Segelschiffe mit stehendem Mast geöffnet werden. Die anderen Schiffe passen untendurch.

Am Van Harinxma-Kanaal eingangs Franeker

In Franeker mache ich eine Pause und besichtige die Stadt mit dem E-Bike.

In Franeker

Weiter gehts auf der Kleiroute Richtung Berlikum. Auch das ist wieder ein ruhiger Kanal mit Durchfahrtshöhen bis 2.50 m. Allerdings sind bei diesen Brücken ein paar cm mehr Reserve eingebaut. In Ried, kurz vor Berlikum, finde ich eine schöne Anlegestelle mit Strom. Da mache ich fest und erkunde das Land noch auf einer Velotour kreuz und quer durchs Land.

Gemütlicher Fietspad auf der nachmittäglichen Velotour Kreuz und quer durchs Land

Mein Anlegeplatz für diese Nacht in Ried


Samstag, 01.06.2019  -  Ried - Berlikum - Leeuwarden - Mantgum
Velotour nach Grou und zurück

Meine Bootsferien nähern sich dem Ende. Ich muss bereits an die Rückkehr in die Gegend von Sneek denken. Zuerst fahre ich nach Leeuwarden. Das ist die Hauptstadt von Friesland. Eine Durchquerung der Stadt mit dem Boot würde wegen der 6 zu passierenden Hebebrücken ziemlich viel Zeit in Anspruch nehmen. Zudem wäre ich dann am nördlichen Ende der Stadt und die Umfahrung der Stadt auf der nord-östlichen Seite wäre recht weit. Ich passiere daher nur gerade die Slauerhoffbrug (die muss für mich nicht geöffnet werden) und parkiere das Boot am Stadtrand.

Mit dem Velo mache ich nun eine Stadtrundfahrt und besuche dabei wieder die Slauerhoffbrug, um sie aus der Nähe zu fotografieren und zu filmen. Auch ein Besuch beim Bahnhof ist bei mir selbstverständlich.

Die Slauerhoffbrug in Leeuwarden mit dem ganz speziellen Hebemechanismus

Slauerhoffbrug in Leeuwarden - hier sieht man wie sie geöffnet wird

Leeuwarden - wegen der vielen Böötler müssen die Fietser manchmal etwas Geduld haben

Um die Mittagszeit fahre ich weiter mit dem Boot. Für die Rückfahrt in die Gegend von Sneek nehme ich die Middelseeroute. Das ist wieder ein schwachbefahrener Kanal für Boote mit einer Durchfahrtshöhe von bis zu 2.50 m. Etwa auf halber Distanz nach Sneek zweige ich ab nach Mantgum um im dortigen Passantenhafen zu übernachten. Diese ca. 1.5 km nach Mantgum muss ich morgen wieder zurück, weil es in Mantgum nicht mehr weitergeht. Mantgum ist ein sehr sympathisches, ruhiges kleines Dorf und liegt an der Bahnlinie Leeuwarden - Sneek etwa auf halbem Weg.

Nach dem Anlegen starte ich meine heutige Nachmittags-Velotour mit dem E-Bike. Zuerst besuche ich den Bahnhof. Selbstverständlich warte ich dort, bis ein Zug kommt. Es kommen dann gleich deren zwei und kreuzen sich in Mantgum. Anschliessend fahre ich nach Grou und auf einem anderen Weg zurück.

Station Mantgum - Zug von Sneek nach Leeuwarden

Station Mantgum - Da kommt ja auch noch ein Gegenzug

Friesland hat ein dichtes Netzwerk an Velowegen. Anders als bei uns in CH sind hier nicht Routen ausgeschildert, sondern die Maschen und die Knoten des Netzwerkes. Jeder Knoten ist durch eine Nummer identifiziert. Bei jedem Knoten gibt es eine Tafel, die einen Ausschnitt des Netzwerkes für die aktuelle Gegend zeigt. Ein Pflock am Boden zeigt oben die Nummer des aktuellen Knotens und darunter die jeweilige Richtung zu den banachbarten Knoten. Unterwegs auf einer Masche (zwischen zwei benachbarten Knoten) hat es oft Wegweiser zum nächsten Knoten.

Auf diese Art kann man sich modular beliebige Routen zusammenstellen. Selbstverständlich gibt es auch Apps, die einen dabei unterstützen. Mich überzeugt dieses Konzept.

Netwerk Übersicht für die Gegend Leeuwarden - Sneek - Grou - Akkrum

Legende und Beschreibung zum Velowege-Netzwerk

Bei jedem Knoten steht ein solcher Pflock. Oben ist die Nummer des Knotens und unten sind die Richtungen zu den benachbarten Knoten angegeben.

Nach der Rückkehr von der Velotour geniesse ich den herrlichen, warmen Abend in Mantgum. Das Wetter war heute sensationell: Sonnig, mässiger Wind und etwa 22°.

Liegeplatz in Mantgum für diese Nacht


Sonntag, 02.06.2019  -  Mantgum - Sneek - Terherne - Sneek
Velotour Terherne - Joure - Akkrum - Terherne

Heute ist der letzte Tag meiner Bootstour. Es ist ein richtiger Sommertag mit Temperaturen um 30°. Vermutlich ist es hier in Friesland der erste schöne, warme Tag in diesem Jahr und dementsprechend hat es auf dem Wasser ein riesengrosses Verkehrsaufkommen. Wer ein Boot zur Verfügung hat, scheint heute auf dem Wasser zu sein.

Auf dem Weg nach Sneek (immer noch auf der Middelseeroute) begegne ich einem amerikanischen Windrad. Diese interessieren mich schon lange. Deshalb schalte ich einen Halt ein und fahre mit dem E-Bike zum Windrad.

Amerikanisches Windrad

Amerikanisches Windrad - Infotafel

Amerikanisches Windrad - Infotafel

Amerikanisches Windrad - Infotafel

Das Windrad ist noch in Betrieb. Das sieht man auf dem volgenden Video. Allerdings scheint es mir nicht mehr im Originalzustand zu sein, denn so wie ich es verstehe, müsste sich der Winkel zwischen der Heckwindfahne und der starren seitlichen Windfahne bei Wechsel der Windstärke verändern. Währen der Zeit wo ich zugeschaut habe, war dieser Winkel aber immer etwa konstant.

Amerikanisches Windrad im Betrieb

Auf dem nächsten Bild (Bild vergrössern) sieht man, dass die Heckwindfahne und die starre seitliche Windfahne mit einer Kette zusammengehalten sind. Es wundert mich, warum man das gemacht hat.

Amerikanisches Windrad - Blick auf den Mechanismus mit der Heckwindfahne und der starren seitlichen Windfahne

Durch ein fast blindes Fenster ist es mir gelungen, etwas vom Getriebe im Inneren des Maschinenhauses zu filmen. Es wird dabei auch noch etwas Wasser gepumpt, das hört man. Allerdings kaum viel und mir ist auch nicht klar von wo nach wo.

Amerikanisches Windrad - Getriebe für den Pumpenantrieb

Die Middelseeroute mündet direkt in die Stadt Sneek. Von dort fahre ich wieder über das Sneekermeer nach Terherne.

Hochbetrieb auf dem Sneekermeer

Bevor ich das E-Bike zurückgebe, mache ich damit noch eine Tour durch die Städtchen Joure und Akkrum und dann wieder zurück nach Terherne. Dann bringe ich es dem Vermieter zurück.

Nach der Rückfahrt nochmals über das Sneekermeer parkiere ich die Sietske im Hafen von Yachtcharter Sneek, wo ich noch einmal übernachte, um das Boot morgen Vormittag zurückzugeben. Meine Bootstour ist hiermit leider schon wieder vorbei.

Die Sietske wieder im Hafen von Yachtcharter Sneek


Montag, 03.06.2019  -  Abgabe Boot
Rückfahrt von Sneek nach Amsterdam

Die Bootsabgabe heute Montag Vormittag geht problemlos und speditiv. Um 09:30 lasse ich mich von einem Taxi an den Bahnhof Sneek bringen. Erst geht's mit dem Arriva-Trein nach Leeuwarden. Dann, weil ich ja einen Interrail-Pass habe und heute ohne Mehrkosten soviel bahnfahren kann wie ich will, mache ich noch einen Umweg über Groningen und von dort über Zwolle und Almere nach Amsterdam.

In Amsterdam gibts einen ausgiebigen Bummel durch die Stadt, ein Biertje, ein Nachtessen im Lucca Due und eine einstündige Rundfahrt auf einem Boot durch Amsterdams Grachten.


Dienstag, 04.06.2019  -  Ausflug nach Drenthe

Wenn ich heute schon heimkommen würde, hätte ich einen Interrail-Tag verschwendet. Ich bleibe also noch einen Tag und eine Nacht in den Niederlanden.

In Westerbrok (nahe Beilen in der Provinz Drenthe) werden von der Dutch Summer School Sprachaufenthalte N2T (Nederlands as Tweede Taal = Niederländisch als zweite Sprache) angeboten. Da ich einen solchen Sprachaufenthalt für nächstes Jahr in Erwägung ziehe, möchte ich natürlich gern wissen, wie es dort aussieht. Dazu fahre ich mit der Bahn nach Beilen, miete dort einen Fiets und fahre damit nach Westerbork. Dort schaue ich mir das Dorf und den Vakantiepark Timerholt (dort ist im Sommer die Sprachschule) ausgiebig an. Ergebnis: Ja, dort würde es mir sehr gut gefallen, um zwei Wochen Sprachferien zu verbringen.

Auf dem gleichen Weg geht's zurück nach Amsterdam. Dort verbringe ich noch einen gemütlichen Abend und morgen früh komme ich wieder nach Hause.


Mittwoch, 05.06.2019  -  Rückreise von Amsterdam

Da gibt es nicht mehr viel zu berichten. Ich habe einen direkten Zug von Amsterdam nach Basel und alles läuft problemlos. Für mich bleiben noch die Erinnerungen an diese tolle Bootstour.


© 2009-2019 Röbi Sturzenegger