Bootstour Friesland
vom 29.09. bis 05.10.2018

Inhaltsverzeichnis

Freitag, 28.09.2018  -  Hinreise

Samstag, 29.09.2018  -  1. Etappe: Sneek - Heeg

Sonntag, 30.09.2018  -  2. Etappe: Heeg - Koudum - Workum - Hindeloopen

Montag, 01.10.2018  -  3. Etappe: Hindeloopen - Stavoren - Woudsend

Dienstag, 02.10.2018  -  4. Etappe: Woudsend - Sloten - Lemmer

Mittwoch, 03.10.2018  -  5. Etappe: Lemmer - Echtenerbrug

Donnerstag, 04.10.2018  -  6. Etappe: Echtenerbrug - Heerenveen


Freitag, 28.09.2018  -  Hinreise

Zum dritten Mal (*) in diesem Jahr besuche ich Friesland, um eine ganze Woche auf einem Hausboot zu verbringen.

(*) Die Reiseberichte der beiden vergangenen Friesland-Touren findet man hier:
Bootstour Friesland im Juni 2018    und    Bootstour Friesland im August 2018

Die heutige Hinreise mit der Bahn beginnt um 05:58 in Unterentfelden und führt über Aarau - Basel - Köln - Utrecht - Leeuwarden nach Sneek.

Heute ist bei der Bahn der Wurm drin. Es fängt an mit dem IR 26 von Olten nach Basel, der in einem Stau steckenbleibt. In Basel erreiche ich den ICE 202 nach Köln nur, weil er auch verspätet abfährt. In Köln erreiche ich den Anschluss-ICE 126 nur, weil ich etwa 1.5 Stunden Aufenthalt eingeplant habe. Beim Einsteigen in Köln höre ich eine Durchsage für einen ICE Richtung Frankfurt, der 130 Minuten Verspätung hat. Auch in Utrecht wird es knapp. Zwischen Utrecht und Den Hag gab es heute einen Personenunfall und es sieht so aus, als wäre der Bahnbetrieb deshalb in ganz Holland durcheinander. Um 18:30, eine halbe Stunde später als geplant, treffe ich an der Boots-Basis in Sneek ein.

Wie letztes Mal miete ich mein Boot bei Yachtcharter Sneek. Das ist ein kleineres, als Familienbetrieb geführtes Unternehmen mit ca. 20 Booten.

Ich kann das Boot sofort überenehmen und mich auf dem Boot einrichten. Mein Boot heisst Finally. Ich werde morgen mehr darüber berichten. Nur soviel vorab: Es gefällt mir sehr gut, ist praktisch und gemütlich eingerichtet und sehr geräumig. Und was in dieser Jahreszeit besonders wichtig ist: Es hat eine gut funktionierende und kräftige (Diesel)-Ölheizung.

Finally von vorne an der Basis von Yachtcharter Sneek

Finally von hinten an der Basis von Yachtcharter Sneek

Das Instrumentenbrett des inneren Steuerstandes (im Salon)

Blick aus der Küche in den Salon

zum Inhaltsverzeichnis


Samstag, 29.09.2018  -  1. Etappe: Sneek - Heeg

Die erste Nacht in der Finally habe ich hinter mir. Die Matratze ist gut und dick genug und ich habe gut geschlafen. Mitten in der Nacht habe ich festgestellt, dass es ohne Heizung nicht geht. Aber dafür hat man sie ja.

Bevor ich auf die Strecke gehe, will ich einkaufen (Lebensmittel möglichst für die ganze Woche) und ein Velo mieten. Das Velo miete ich diesmal nicht mehr beim Bootsvermieter. Seine Mietvelos grenzen an unbrauchbar. Ich werde mir dazu einen Velohändler suchen. Eigentlich logisch: Es mietet ja auch keiner ein Boot beim Velohändler.

Dazu starte ich meine Tour mit einer Fahrt mitten durch die Stadt Sneek. Es hat viel Verkehr und von Nach-Saison spüre ich nicht viel. OK, es ist ja auch Samstag und vielleicht wird es ab Montag etwas ruhiger.

Die Oppenhuizerbrug bei der Einfahrt ins Stadtzentrum

Nach der Passage der Oppenhuizerbrug, der Van Harinxmabrug und der Lemmerbrug (alles Hebebrücken) finde ich problemlos einen Parkplatz in unmittelbarer Nähe eines Poiesz-Supermarktes. Das habe ich vorher mit Google Maps recherchiert. Aber zuerst besorge ich mir einen Fiets (Velo). Wieder mit Google Maps finde ich den "Profile Rodenburg", ein grosses Velogeschäft. Dort miete ich einen fast neuen Fiets zu EUR 50.00 für die ganze Woche. Nicht ganz billig, aber das Velo ist auch wirklich gut. Ein Ebike hätte EUR 100.00 gekostet, aber ich will ja bööteln und nicht ebiken.

Mijn gehuurde fiets

Nach dem Einkaufen, das speditiv vor sich geht, fahre ich an der Peripherie von Sneek auf einem Verbindungskanal zur Wâldfeart und dann durch Wite Brekken, wo ich um 14:00 Frühstückspause mache, über den Prinses Margrietkanaal, den Johann Frisokanaal und die Hegemer Far nach Heeg.

Früchstückspause um 14:00 an einem Marrekrite-Liegeplatz am Wite Brekken

Die Finally passt mir auch zum Fahren sehr gut. Ganz besonders geeignet ist sie zum Manövrieren. Erstaunlicherweise hat sie zur Bugschraube, das hier scheinbar Standard ist, auch noch eine Heckschraube (nicht zu verwechseln mit der Schiffsschraube, dem Haupt-Antrieb des Schiffes). Damit kann man leicht an Ort wenden. Aber auch mit dem ganz normalen Ruder kann man 180°-Kurven auf engstem Raum machen. Auch das Instrument, das die Lage des Ruders anzeigt, ist sehr praktisch. Nach dem Ablegen muss man nicht erst durch probieren herausfinden, wie das Ruder steht, sondern kann es gleich von Anfang an in die richtige Position bringen.

Der Aussensteuerstand in der hinteren Plicht ist leider nicht so optimal. Wenn man beim Fahren sitzt, blickt man durchs Boot und hat daher ziemlich eingeschränkte Sicht. Steht man beim Fahren, ist die Sicht über das Boot hinweg gut, aber man erreicht mit den Armen das Steuerrad nicht mehr, weil dieses dafür zu niedrig positioniert ist. So muss man sich für jede Korrektur am Steuer bücken. Aus diesen Gründen fahre ich meist vom inneren Steuerstand und benutze den äusseren hauptsächlich zum Anlegen und zum Manövrieren, weil man von da zum Festmachen viel schneller am Seil ist als von innen.

Sicht beim Fahren vom Aussensteuerstand sitzend

Sicht beim Fahren vom Aussensteuerstand stehend

Das Finally im Jachthaven Eendracht von Heeg parkiert zur Übernachtung

Die Übernachtung im riesengrossen Jachthaven Eendracht von Heeg ist ziemlich teuer (EUR 16.75), aber der Platz ist sehr gut und wie es sich später herausstellt, ist es hier absolut ruhig. Ich mache noch eine Rundfahrt mit dem Fiets durch das Städtchen, das mir sehr gut gefällt.

Jachthaven Eendracht von Heeg, Hafen-Café

Restaurant im Zentrum von Heeg

Übersicht über die heute gefahrene Etappe

Der Start ist beim mit 0 bezeichneten und das Ziel beim mit 1 bezeichneten blauen Kreis.
Die gefahrene Route ist mit blauen Punkten markiert.

zum Inhaltsverzeichnis


Sonntag, 30.09.2018  -  2. Etappe: Heeg - Koudum - Workum - Hindeloopen

Heute fahre ich von Heeg über das Hegemer Mar, Yntemasleat, Grutte Gaastmar, Sont, Koarte Fliet, Lange Fliet, Klifrak nach Workum. Dort mache ich Mittagspause und fahre auch mit dem Fiets durchs Städtchen.

Von Workum komme ich nicht weiter ausser durchs IJsselmeer aber das darf ich nicht, weil die Finally auf diesem nicht zugelassen ist. Ich muss also wieder ein Stück zurück, nämlich bis zum Hegemer Mar. Dann folge ich dem De Fluezen, Swarte Wâlde, Koudumer Far, via Koudum, Yndyk nach Hindeloopen. Ich parkiere die Finally im Binnenhafen von Hideloopen und besuche das Städtchen wiederum mit dem Fiets.

Hier fahre ich mit meinem 2.30 m hohen Boot unter einer 2.25 m hohen Brücke durch.

Unterwegs auf dem Hegemer Mar

Wenn man noch das Fenster neben der Türe öffnet, hat man einen leicht besseren Durchblick beim Fahren vom hinteren Steuerstand.

Blick vom hinteren Steuerstand in den Salon mit dem vorderen (inneren) Steuerstand

Blick aus dem Salon nach hinten auf die offene Plicht mit dem hinteren Steuerstand

Eingangs Workum

Vorbeifahrt am Jachthafen Bouwsma in Workum

Ja, ist ja schon gut: Ich fietse durch ohne zu brommen.

Restaurant Sluiszicht in Workum

St. Gertrudiskerk in Workum

Wusste gar nicht, dass es auch schwarze Schwäne gibt.

Station Workum: Arriva-Trein nach Leeuwarden

Hindeloopen, Blick auf's IJsselmeer

Hindeloopen, Füssgängerzone

Hindeloopen, Jachthaven am IJsselmeer

Hindeloopen, aus dem Jachthaven am IJsselmeer, Blick auf die Schleuse zum Kanal-System

Hindeloopen, Finally im Binnenhafen

Übersicht über die heute gefahrene Etappe

Der Start ist beim mit 1 bezeichneten und das Ziel beim mit 2 bezeichneten blauen Kreis.
Die gefahrene Route ist mit blauen Punkten markiert.

zum Inhaltsverzeichnis


Montag, 01.10.2018  -  3. Etappe: Hindeloopen - Stavoren - Woudsend

Auf dieser Etappe will ich Stavoren besuchen. Stavoren ist - wie Hindeloopen - ein Städtchen am IJsselmeer. Dazu muss ich ca. 4 km den gleichen Weg zurück, dann durch den Jan Broerskanaal, über den Binnensee "De Morra" und durch den Johann-Friso-Kanal, der mich direkt nach Stavoren bringt.

In Stavoren mache ich eine längere Pause, fahre mit dem Fiets durchs Städtchen und besuche auch noch den Info-Pavillon des Pumpwerkes J.L. Hooglandgemaal.

Supermarkt mit Hafen oder Hafen mit Supermarkt. Das ist optimal. So muss man seine Einkäufe nicht weit schleppen.

Stavoren Voorstraat

Station Stavoren: Arriva-Trein nach Leeuwarden

Stavoren, Hafen am IJsselmeer

Stavoren, Blick auf's IJsselmeer mit Leuchtturm

Stavoren, Blick auf's IJsselmeer

Stavoren, Schleuse zum IJsselmeer

Stavoren, Pumpstation J.L. Hooglandgemaal

Die folgenden vier Aufnahmen habe ich beim Besuch im Info-Pavillon des Pumpwerkes J.L. Hooglandgemaal gemacht. Sie beinhalten Erklärungen über Pumpstationen und die Leistungen der Wetterskip Fryslân (das scheint die Organisation zu sein, die in Friesland die Wassersysteme betreut). Die Erklärungen waren nur in Holländisch und Englisch verfügbar.

Der Weg von Stavoren nach Woudsend führt zurück bis zum "De Morra"-See, dann durch weitere drei Binnenseen ("De Oarden", "De Fluezen" und "Hegemer Mar") und schliesslich durch den Wâldseinster Rakken nach Woudsend.

Galamadammen zwischen "De Morra" und "De Oarden*

Auf dem "De Fluezen". Die Fahrt auf meinem Kurs verläuft quer zu den Wellen. Da schaukelt es ziemlich stark.

Auf dem *De Fluezen". Wenn man die Fahrrichtung um etwa 30° in Richtung Backbord korrigiert, fährt man schräg gegen die Wellen und dann spritzt es über's Boot hinweg. Bei mir kommt Seefahrer-Feeling auf.

Woudsend, Jachthaven de Rakken. Hier werde ich übernachten.

Übersicht über die heute gefahrene Etappe

Der Start ist beim mit 2 bezeichneten und das Ziel beim mit 3 bezeichneten blauen Kreis.
Die gefahrene Route ist mit blauen Punkten markiert.

zum Inhaltsverzeichnis


Dienstag, 02.10.2018  -  4. Etappe: Woudsend - Sloten - Lemmer

Heute plane ich eine kurze Etappe, nämlich von Woudsend Richtung Süden, über das Slotermeer, Sloten, Ie of Boomsvart, Lange Sleat nach Lemmer.

Ich fahre um 07:45 los. Um diese Zeit herrscht noch Morgendämmerung. Über das Slotermeer ist es ziemlich stürmisch und es regnet stark.

Ohne Bojenstrasse und ohne Navigationsinstrumente wäre es fast nicht möglich, den richtigen Kurs einzuhalten. Wie sich später herausstellt, sollte diese Wellenfahrt noch Folgen haben.

Bis nach Sloten geht alles gut. Dort will ich zur Frühstückspause festmachen. Beim Anlege-Maneuver gibt es ein hässliches Geräusch aus der Gegend der Schiffsschraube. Auch bei der Verwendung der Heckschraube tönt es komisch. Jedesmal wenn ich das Boot rückwärts bewegen will, wiederholt sich das hässliche Geräusch. Die Heckschraube hat den Geist ganz aufgegeben. Mit einiger Mühe schaffe ich es noch, anzulegen ohne weiteren Schaden anzurichten. Ich muss wohl im Bereich der Schiffsschraube und der Heckschraube einen Draht oder etwas ähnliches eingefangen und womöglich aufgewickelt haben.

Ich telefoniere an Yachtcherter Sneek. Piter, der Chef, nimmt selber ab und nachdem ich ihm das Problem geschildert habe, verspricht er vorbeizukommen oder jemanden vorbeizuschicken.

Wenigstens bin ich an einer angenehmen Anlegestelle mit Landstrom. In der Zwischenzeit habe ich gefrühstückt und warte jetzt bis jemand vorbeikommt. Jetzt habe ich Zeit, um das Tagebuch nachzuführen.

Eine gute Stunde nach meinem Anruf kommt Max, der Mechaniker von Yachtcharter Sneek, mit dem Auto. Er überzeugt sich vom Problem und entscheidet, dass das Boot aus dem Wasser gehoben werden muss, um zu sehen, was sich um die Schraube gewickelt hat, und um es zu entfernen.

Da in Friesland ja fast jedes Industriegebäude eine Schiffswerft ist 😀, hat er kein Problem, eine solche zu finden, die für uns das Schiff aus dem Wasser holt. Wir müssen nur halb ums Städtchen herum fahren, unter einer Hebebrücke durch und dann sind wir dort. Unterwegs verschlimmert sich das Problem: Im Rückwärtsgang hat der Antrieb keine Wirkung mehr, wir können also nicht mehr bremsen. Auch vorwärts wird der Antrieb immer schwächer. Bei der Einfahrt in den Hafen der Werft blockiert die Schraube ganz und der Motor stirbt ab.

Jetzt sehen wir das (schwarzes Tau).

Das rechte hintere Tau ist extrem nach unten gespannt. Mir schwant Schreckliches. Wo ich doch der Auffassung war, etwas aus dem Kanal aufgewickelt und damit einfach Pech gehabt zu haben, stellt sich jetzt heraus, dass ich für das ganze Malheur voll verantwortlich bin. Das wird vermutlich teuer.

Als bisheriger Nur-Kanal-Böötler bin ich mich gewohnt, das Tau während der Fahrt einfach auf dem Boots-Rand liegen zu lassen. Deswegen ist mir bis jetzt noch nie eines während der Fahrt ins Wasser gefallen. Das muss heute morgen bei der Schaukelfahrt über das Sloter Meer passiert sein: Logisch, wenn in der Küche das Geschirr herumfliegt 😀, kann natürlich auch ein Tau vom Bootsrand rutschen.

Ich muss das Tau während der letzten paar Kilometer bis nach Sloten hinter mir her geschleppt haben. Soweit ohne Folgen, aber beim rückwärts fahren in Sloten ist es dann in den Bereich der Schiffsschraube geraten.

Die Finally muss agbeschleppt werden.

Die Finally wird aus dem Wasser gehoben.

Hier sieht man, was mit dem Tau passiert ist. Dieses muss zuerst in die Heckschraube (oben) geraten sein (in diesem lagen noch Seil-Überreste) bis die Sicherung der Heckschraube durchbrannte (das mit der Sicherung stellte sich später heraus). Dann, als die Schiffsschraube das Tau in Besitz genommen hatte, wurde es scheinbar wieder aus der Heckschraube herausgezogen. Man sieht hier auch, dass die Befestigungs-Mutter an der Schiffsschraube verloren gegangen ist,

Max beim Lösen des Taus

Als Max eine neue Mutter organisieren geht, lege ich selber Hand an. Es ist ziemlich mühsam ...

... mit einem Seitenschneider das extrem komprimierte Tau herauszuschneiden und dauert ca. eine halbe Stunde.

Endlich ist es geschafft und die Schraube ist wieder frei. Man sieht auch die neue Mutter, die Max aufgetrieben hat.

Hier sieht man den ganzen Heckbereich mit Schiffsschraube, Ruder und Heckschraube. Man beachte die komische Masse an der Seite des Ruders. Genauer sieht man die auf dem nächsten Bild.

Max hat versucht, mir zu erklären, wofür das ist. Leider mit nur mässigem Erfolg (sprachliche Verständigungs-Schwierigkeiten). Was ich verstanden habe, ist, dass es etwas mit Elektrolyse-Verhinderung zur Vermeidung von Korrosion zu tun haben muss. Ich werde dem aber noch nachgehen.

Nachtrag (später, nach googeln, hinzugefügt): Das ist eine Opferanode zur Verhinderung von Kontaktkorrosion. Davon habe ich am ganzen Boot verteilt etwa 8 Stück gesehen.

Die Finally wird wieder ins Wasser gesenkt.

Wir fahren wieder zurück zum Anlegeplatz, wo Max's Auto steht. Jetzt kümmert er sich noch um die Heckschraube. Die Elektrik für diese besteht aus zwei Kreisen, einem Steuerstromkreis, der ein Relais betätigt und einem Leistungsstromkreis, der den Motor antreibt. Der Steuerstromkreis funktioniert noch (man hört, wie das Relais schaltet). Beim Leistungsstromkreis ist einfach die Sicherung durchgebrannt, weil der Antrieb durchs Tau blockiert war.

Durchgebrannte 250A-Sicherung.

Max ersetzt die Sicherung und der Antrieb geht wieder. In Lemmer, wo ich später hinfahre, brennt beim Parkieren die Sicherung aber erneut durch. Nach einem Telefon mit Yachtcharter Sneek erfahre ich, dass Max mangels einer 250A-Sicherung eine solche für 160A eingebaut hat. Somit ist es klar: Die Heckschraube konsumiert etwas über 160A, sodass die Sicherung für kurzzeitigen Gebrauch hält, für länger dauernden Gebrauch jedoch nicht.

Mich erstaunt die hohe Leistung der Heckschraube (die Bugschraube ist übrigens von genau gleicher Bauart und hat vermutlich die gleich hohe Leistung). Da jeder dieser beiden Antriebe etwa 160A zieht und es sich um ein 12V-System handelt, konsumiert jeder eine Leistung von ca. 2'000 W. Die beiden Antriebe haben zusammen auch eine eigene Batterie zur Verfügung.

Jetzt werde ich halt meine Reise ohne die Heckschraube fortsetzen. Es ist ja ohnehin ein Luxus, den nur wenige Hausboote haben.

Das war mal ein Tau. Jetzt muss ich mich halt mit drei statt vier begnügen.

Dieses Erlebnis wird für mich wahrscheinlich teuer. Es ist peinlich für mich, aber trotzdem war es interessant. Ich habe etwas erlebt und ich habe etwas gelernt. Schliesslich mache ich diese Touren ja, um etwas zu erleben. Einmal reicht mir aber und in Zukunft werde ich den Tauen während der Fahrt mehr Aufmerksamkeit schenken.

Bei der Weiterfahrt Richtung Lemmer fahre ich ein drittes Mal durch die Hebebrücke von Sloten. Hartnäckig kassiert der Brückenwart ein drittes Mal EUR 2.00 für die Durchfahrt mit seinem Holzschuh.

Nach der Ankunft in Lemmer mache ich noch einen kleinen Spaziergang. Einen Besuch der Stadt habe ich für morgen Vormittag geplant.

Lemmer, Windpark im IJsselmeer

Übersicht über die heute gefahrene Etappe

Der Start ist beim mit 3 bezeichneten und das Ziel beim mit 4 bezeichneten blauen Kreis.
Die gefahrene Route ist mit blauen Punkten markiert.

zum Inhaltsverzeichnis


Mittwoch, 03.10.2018  -  5. Etappe: Lemmer - Echtenerbrug

Für heute habe ich die Weiterfahrt erst für den Nachmittag geplant. Am Vormittag schaue ich mich zuerst in der Stadt Lemmer um.

Im Zentrum von Lemmer

Nach dem Besuch der Stadt fahre ich mit dem Fiets zum ca. 2 km entfernten Schöpfwerk Woudagemaal. Dort sehe ich mir im Besucher-Zentrum einen Film an und anschliessend nehme ich an einer Führung durch das (auch heute noch) dampfbetriebene Schöpfwerk teil.

Bei der Führung habe ich Glück: Ich bin in einer deutschsprachigen Gruppe von nur drei Personen (in der holländisch-sprachigen Gruppe hat es ca. 15 Personen). Unser Begleiter ist ein pensionierter Geographielehrer, der solche Führungen ehrenamtlich und offensichtlich mit Begeisterung durchführt. Seine Erklärungen sind äusserst interessant und er beantwortet alle Fragen kompetent.

Schöpfwerk Woudagemaal vom Besucherzentrum aus gesehen. Links des Gebäudes befindet sich ein über 60 Meter hoher Schornstein. Leider habe ich ihm beim knipsen keine Beachtung geschenkt.

Das Wasser wird von den friesischen Gewässern auf der uns abgewandten Seite des Gebäudes eingesaugt und durch die vier Fluttore ins IJsselmeer geschöpft.

In früheren Berichten (Bootstour Friesland im Juni 2018 und Bootstour Friesland im August 2018) hatte ich mehrfach geschrieben, dass die friesischen Gewässer auf einer Höhe von 3 Metern unter dem Meeresspiegel liegen. Woher ich diese Info hatte, weiss ich nicht mehr, aber sie schien mir damals glaubhaft. Aber diese Information ist falsch. Die friesischen Gewässer liegen im Durchschnitt nur 52 cm unter dem mittleren Meeresspiegel. Da das IJsselmeer im Sommer auf einem Niveau von -20 cm und im Winter von -40 cm gegenüber dem mittleren Meeresspiegel gehalten wird, beträgt der Höhen-Unterschied zwischen den friesischen Gewässern und dem IJsselmeer nur 32, bzw. 12 cm. Das ist auch die mittlere Pumphöhe, die die beiden Schöpfwerke Woudagemaal in Lemmer und J.L. Hooglandgemaal in Stavoren (habe ich am Montag gezeigt) zu bewältigen haben.

In normalen Situationen genügt das elektrische Schöpfwerk J.L. Hooglandgemaal in Stavoren, um die durch Niederschläge und Flüsse eingetroffenen Wassermengen ins IJsselmeer hochzupumpen. Bei ausserordenlich starken Niederschlägen kommt es gelegentlich vor, dass das dampfbetriebene Schöpfwerk Woudagemaal zur Unterstützung in Betrieb genommen wird.

Übrigens hat dieses dampfbetriebene Werk in Lemmer bis ins Jahr 1966 als einziges den Pegel der friesischen Gewässer reguliert. Erst dann kam das elektrisch betriebene Werk in Stavoren, welches die doppelte Leistung des Schöpfwerkes Woudagemaal hat, dazu und deckt seither auch den Normalbetrieb ab.

Noch etwas zur Entwässerung des IJsselmeers: Ich frage mich schon seit einiger Zeit, wie das überschüssige Wasser aus dem IJsselmeer (Süsswassersee) ins Wattenmeer (Meer mit Salzwasser) gelangt. Geschieht es durch pumpen oder mit Hilfe der Gezeiten? Anlässlich der Führung wurde mir jetzt bestätigt, was ich vermutet hatte: Es geschieht mit Hilfe der Gezeiten, ohne zu pumpen. Im Abschlussdeich zwischen IJsselmeer und Wattenmeer gibt es die Stevinsluizen und die Lorentzsluizen. Das sind sogenannte Tidesperrwerke mit Toren, die bei Ebbe geöffnet werden können und bei Flut geschlossen sind. Damit kann bei Ebbe Waser aus dem IJsselmeer ins Wattenmeer ausfliessen.

Zeitweise kann sogar Wasser aus den friesischen Gewässern dank der Gezeiten direkt ins Wattenmeer fliessen. Das geschieht in Harlingen durch Öffnen einer der beiden Schiffsschleusen. Allerdings sind die dafür geeigneten Zeitspannen kurz, weil dazu der Ebbe-Wasserstand unter dem Wasserstand der friesischen Gewässer sein muss, was nicht bei jeder Ebbe vorkommt und wenn, dann nicht sehr lange der Fall ist.

Schöpfwerk Woudagemaal, Kesselhaus

Das Schöpfwerk hat vier Dampfkessel mit je zwei Brennern, vier Dampfmaschinen und acht (zwei pro Dampfmaschine) Zentrifugalpumpen.

Schöpfwerk Woudagemaal, Maschinenhaus

Es gibt vier von diesen Dampfmashinen mit je zwei Zentrifugalpumpen. Die Dampfmaschinen haben je einen Hoch- und Niederdruckteil, wobei der Niederdruckteil doppelwirkend ist.

Tele-Aufnahme auf den Windpark im IJsselmeer, aufgenommen vom Schöpfwerk Woudagemaal. Jede dieser Windkraftanlagen hat eine maximale Leistung von 7 MW.

Dies ist die Schifffahrtsschleuse zwischen dem IJsselmeer und dem Prinses Margriet Kanaal. Hier ist das süd-westliche Ende des Prinses Margriet Kanaals von wo er nach Groningen führt.

Nach der Besichtigung bin ich wieder mit der Finally unterwegs. Ich fahre zuerst durch den Binnensee mit dem Namen "Grutte Brekken", durch welchen auch der Prinses Margriet Kanaal führt. Ich fahre etwas neben der Bojenstrasse. Das ist geruhsamer und ich kann die grossen Frachtschiffe aus Distanz beobachten.

Auf dem Grutte Brekken, Frachtschiff auf dem Prinses Margriet Kanaal.

Hier fahre ich über das Tjeukelmeer. Wie man sieht, ist auch das Wetter wieder besser. Auch die Temperatur ist angenehm.

Ich übernachte hier im Hafen von Echtenerbrug

Übersicht über die heute gefahrene Etappe

Der Start ist beim mit 4 bezeichneten und das Ziel beim mit 5 bezeichneten blauen Kreis.
Die gefahrene Route ist mit blauen Punkten markiert.

zum Inhaltsverzeichnis


Donnerstag, 04.10.2018  -  6. Etappe: Echtenerbrug - Heerenveen

Die heutige, kurze Etappe von Echtenbrug nach Heerenveen ist ereignisarm. Ich überfahre keinen See, es schaukelt nicht und ich wickle auch kein Seil mit der Schiffsschraube auf. Es ist auch kein Schöpf- oder Pumpwerk an der Strecke und ich finde nichts, was knipsenswert wäre. Deshalb gibt es von heute auch keine Bilder.

Schön ist es trotzdem und nach der Ankunft im Passantenhafen De Welle fahre ich noch mit dem Fiets ins Zentrum von Heerenveen und wieder zurück.

Die Zeit fliegt nur so dahin. Morgen Nachmittag muss ich die Finally bereits wieder abgeben und den ersten Teil der Rückreise in Angriff nehmen.

Übersicht über die heute gefahrene Etappe

Der Start ist beim mit 5 bezeichneten und das Ziel beim mit 6 bezeichneten blauen Kreis.
Die gefahrene Route ist mit blauen Punkten markiert.

zum Inhaltsverzeichnis


Ich bin auf dem Rückweg. Den letzten Tag werde ich nachher ergänzen.

© 2009-2018 Röbi Sturzenegger